"Wir stehen zu 100 Prozent hinter dem Konzept" - Timo Ostdorf im Gespräch

Fast auf den Tag genau ein Jahr ist Timo Ostdorf nun Cheftrainer von Team A. Nach der Annullierung der Saison 2020/21 laufen die Planungen für die kommende Spielzeit auf Hochtouren. Wir haben mit Timo über den Stand der Dinge, Kritik an der Transferpolitik, die Einhaltung des Bilbao-Konzepts und die Rolle der U19-Spieler, die nun hochkommen, gesprochen.

Lieber Ossi, die Planungen für die kommende Saison sind im vollen Gange und wir konnten schon einige Neuzugänge verkünden. Wie siehst du den Kader für die nächste Spielzeit zum jetzigen Zeitpunkt?
Stand jetzt sind wir mit unserem Kader sehr zufrieden. Bis zum Sommer ist ja noch etwas Zeit, aber ich glaube, dass wir mit dem Kader schon sehr weit sind und auf unsere Abgänge reagieren mussten. Wir haben beziehungsweise mussten sogar teilweise Jungs abgeben, die sehr erfahren sind. Ich glaube aber, dass wir eine sehr wissbegierige, lernwillige und gut ausgebildete Truppe auf den Platz schicken können. Damit meine ich nicht nur die erste Elf, sondern den kompletten Kader. Im Gesamtpaket ist die Truppe charakterlich, ausbildungstechnisch und im Blick auf die Mentalität eine homogene Mischung, die durch Jungs mit Erfahrung ergänzt wird.

Durch einige externe Verpflichtungen gab es in der Öffentlichkeit einige Irritationen darüber, ob wir am Bilbao-Konzept festhalten. Kannst du Klarheit in die Sache bringen?
Es ist klar, dass es durch die Verpflichtungen in der Öffentlichkeit etwas Irritationen gab und das habe ich auch wahrgenommen. Ich kann den Menschen, die sich in dieser Hinsicht Sorgen machen, jedoch direkt eben diese nehmen. Wir stehen weiterhin zu 100 Prozent hinter dem Bilbao-Konzept, gehen den Weg mit selbst ausgebildeten Jungs und top ausgebildeten Spielern aus der Region weiter. Natürlich müssen wir aber auch den ein oder anderen erfahrenen Spieler dazu nehmen, um die jungen Spieler an die Hand zu nehmen. Ohne die geht es nicht.

In der Wahrnehmung stellt sich das Bild vielleicht etwas verzerrt da, weil wir die Neuzugänge natürlich auch medial ordentlich präsentiert haben und dabei die Abgänge etwas untergegangen sind. Auf dieser Seite befinden sich nämlich fast nur Spieler, die nicht in die Bilbao-Vorgaben gepasst haben, weshalb es logisch ist, dass wir da reagieren mussten. Denn nochmal: Nur mit jungen Leuten wird es in der Oberliga Westfalen nicht gehen. Wir brauchen Jungs mit Erfahrung, aber werden auch mit voller Transparenz, wenn der Kader im Sommer feststeht, die Bilbao-Prozentzahlen veröffentlichen. Es muss sich also niemand Sorgen machen, dass wir von unserem Weg abkommen, denn wir messen uns an unseren eigenen Worten und werden es auch weiterhin tun.

Auch namentlich gab es einige Ausrufezeichen auf der Zugangsseite, die allesamt Stammplätze als Anspruch haben werden. Wie siehst du in dieser Hinsicht die Rolle der Junioren, die aus der U19 hochkommen? Werden sie weiterhin solche Chancen rehalten, wie die U19-Jungs in der vergangenen Saison?
Die jungen Spieler werden auch in Zukunft unser vollstes Vertrauen genießen. Wir werden sie maximal fordern, aber auch fördern. Wir sind in dieser Hinsicht sehr kommunikativ und versuchen die Jungs in ihrer Entwicklung weiterzubringen. Natürlich wird es den ein oder anderen Spieler geben, der es direkt in der Oberliga schaffen wird, aber es wird auch Jungs geben, die es nicht direkt schaffen werden. Durch unsere Aufstellung mit Team B gibt es jedoch immer die Möglichkeit, sich über die Landesliga wieder zu empfehlen und den Sprung nachträglich zu schaffen.

Wir haben in der letzten Saison schon bewiesen, dass wir auf Namen keine Rücksicht nehmen, sondern ausschließlich nach Leistung aufstellen. Dafür nehmen wir durchaus auch negative sportliche Ergebnisse in Kauf, das werden wir auch in Zukunft tun. Denn der Ausbildungsaspekt steht weiterhin an erster Stelle, noch vor den Ergebnissen. Jeder kann sich also im Training zeigen und empfehlen und erhält dann seine Chance. Ich sehe die U19-Spieler, sowie die Jungs, die im letzten Jahr aus der Jugend gekommen sind, aber wegen der Pandemie nicht so zum Zug gekommen sind, in der Herausforderer-Rolle, doch sie bekommen genauso unser Vertrauen wie die gestandenen Spieler.

Das große Thema bei den Jungs wird die Geduld sein. Sie haben jetzt eine lange Pause gehabt, kommen nun in den Seniorenbereich, was man absolut nicht unterschätzen darf, und müssen sich beweisen. Deshalb gilt es Geduld zu haben, Fehler machen, aber im Umkehrschluss auch aus diesen Fehlern lernen. Ich denke, wenn das klappt, werden wir auch in der kommenden Saison eine Top-Adresse für junge Talente sein.

Von Außen gab es neben der Kritik auch viel Lob für die Neuverpflichtungen. Wie gehst du mit der Erwartungshaltung um?
Dass es nicht nur Kritik und Irritationen um das Bilbao-Konzept, sondern auch Lob für unsere Transfers gab, freut uns natürlich sehr. Wir halten den Ball aber lieber flach, denn es ist wieder ein kleiner Umbruch. In ersten Linie wird es darum gehen, eine Mannschaft zu formen, die sich als Einheit präsentiert. Damit meine ich nicht nur die erste Mannschaft, sondern auch Team B. Unser Ziel muss es sein, es wie in der letzten Saison hinzubekommen, denn dort hat Team B in der kurzen Saison ja auch einen überragenden Job gemacht und in der neuen Liga, mit so einer jungen Mannschaft für Furore gesorgt. Sich nach dem Aufstieg so zu präsentieren, ist einfach nur Top.

Wir bei Team A waren mit zehn Punkt aus zehn Spielen auch sehr zufrieden und einige Jungs konnten sich mit dem Oberliga-Debüt für ihre eigenen Leistungen belohnen. Das wird in dieser Spielzeit auch wieder das Ziel sein. Was die Neuzugänge betrifft halte ich, wie schon gesagt, den Ball flach, denn von dem Lob vorher können wir uns nicht viel kaufen, sondern werden am Ende der Saison daran gemessen, wie viele Spieler wir weiterentwickeln und an den Seniorenbereich heranführen konnten und auf welchem Tabellenplatz wir am Ende landen. Das wird zählen und deswegen interessieren mich Lobhudeleien vor der Saison eher weniger. Sie freuen mich, mehr aber auch nicht. Ähnlich verhält es sich mit der Kritik, denn am Ende werden wir mit den neuen Jungs, den Jungs, die schon da sind und den U19-Spielern versuchen, das Maximale aus der Saison zu holen.


Cheftrainer Timo Ostdorf verlängert Vertrag vorzeitig bis 2023

Paukenschlag zum Jahreswechsel: Cheftrainer Timo Ostdorf hat seinen Vertrag beim Oberligisten TuS Haltern am See vor Jahreswechsel vorzeitig um zwei Jahre verlängert. Das Gesicht des „Bilbao“-Konzeptes geht damit auch in Zukunft voran und setzt ein Ausrufezeichen hinter den eingeschlagenen Weg.

Seit dem vergangenen Sommer ist der 34-Jährige, der zuvor schon erfolgreich als Spieler und Jugendtrainer für die Seestädter aktiv war, für das Team A in der Oberliga Westfalen verantwortlich. Unter seiner Führung hat die Oberliga-Mannschaft die Vorgabe des Vereins, dass mindestens 50% der eingesetzten Spieler aus Haltern am See oder der Jugend des Vereins kommen, deutlich überschritten und bereits die Vorgabe von 75% für die Saison 21/22 umgesetzt. Besonders hervorzuheben ist, dass es Timo Ostdorf auf exzellente Weise gelungen ist, Jugend- und Lokalspieler an das Team A heranzuführen.

Trotz des radikalen Umbruchs rangiert der Verein im Mittelfeld der Oberliga, während man in allen Pokalwettbewerben ungeschlagen ist und vor Abbruch aufgrund der Corona-Pandemie sogar im Westfalenpokal Regionalligist Rot-Weiß Ahlen besiegen konnte.

Daniel Haxter, Abteilungsleiter Fussball der Seestädter: „Timo Ostdorf war und ist als Spieler, Jugendtrainer und Senioren-Trainer mit dem TuS Haltern am See erfolgreich. Wir freuen uns sehr, dass wir die wichtigste Personalie für die kommende Saison schon jetzt langfristig klären und damit den eingeschlagenen Bilbao-Weg nicht nur konsequent, sondern auch personell konstant weiterverfolgen.“

Tim Eibold, sportlicher Leiter Senioren, ergänzt: „Timo gelingt es auf herausragende Weise Jugend- und B-Team-Spieler an das Oberliga-Team heranzuführen. Er steht für das einzigartige Aus- und Weiterbildungskonzepts unseres Vereins, welches auch für mich ein entscheidender Grund für den Wechsel nach Haltern am See war. Ich freu mich sehr über die frühzeitige Verlängerung von Timo Ostdorf bis 2023.“

Timo Ostdorf, Cheftrainer von Team A des TuS Haltern am See: „Mit dem TuS Haltern am See wollen wir nicht nur „The Best im Vest“ Recklinghausen sein, sondern auch die besten Talente aus dem Kreis langfristig über die Jungend an uns binden und gleichzeitig den Anteil der Local Player steigern. Ich freu mich sehr, auf die nächsten Jahre.“


Timo Ostdorf übernimmt Traineramt – Hauptsponsor Viactiv begrüßt Strategiewechsel

Mit der Pressemitteilung zum Strategiewechsel nach dem Vorbild von Athletic Bilbao überraschte der Regionalligist TuS Haltern am See die Fußballwelt. Statt weiterhin bevorzugt auf Einkäufe ehemaliger Jugendspieler aus den Nachwuchsteams der Profivereine aus dem Ruhrgebiet zu setzen, verpflichtet sich der Heimatverein von Benedikt Höwedes, der neu im Strategie-Stab der Seestädter ist, verstärkt auf eigene Jugendspieler und aus Haltern am See kommende Spieler zu setzen. Diese freiwillige Selbstbeschränkung startet bereits zur kommenden Saison.

Nun werden erste Ergebnisse des Strategiewechsels bekannt: Ab dem 1. Juli 2020 wird das Team A, wie die erste Mannschaft ab sofort genannt wird, von Timo Ostdorf geführt. Ostdorf, aktuell noch Trainer der U23 (künftig Team B), ist in den vergangenen Jahren mehrfach mit Jugend- und Senioren-Teams der Seestädter aufgestiegen, darunter als Spieler von der Landes- bis in die Oberliga und als Trainer mit der U17 und der U19. Mit der U23 stand der B-Lizenz-Inhaber, der aktuell auf die Terminzusage für den Elite-Jugend-Lehrgang wartet, bis zur Aussetzung des Spielbetriebes auf dem ersten Platz der Bezirksliga 11, der zum Aufstieg in die Landesliga berechtigen würde.

“Wir werden in Zukunft auf einen starken Schulterschluss zwischen den Senioren- und Jugendmannschaften setzen und aus den Leistungsträgern der Regionalliga, der U23 und dem Altjahrgang der U19 einen wettbewerbsfähigen Kader formen, der auch in Zukunft sportlich überzeugen kann.”, äußert sich Ostdorf zum Strategiewechsel. Neben den Spielern aus den eigenen Reihen richtet sich das Bilbao-Modell explizit auch an “Halterner Jungs”, die aktuell in den NLZs oder bei anderen Vereinen spielen.

Im Zuge des Strategiewechsels werden mit dem bisherigen Cheftrainer der ersten Mannschaft, Magnus Niemöller, Gespräche über die Fortsetzung seiner Tätigkeit beim Regionalligisten in einer anderen Funktion im Verein geführt. Sportdirektor Sascha Kopschina dazu: “Wir haben mit dem TuS Haltern am See sportlich alles und noch viel mehr von dem erreicht, was wir uns vorgenommen hatten. Das ist insbesonderer auch ein Verdienst von Magnus Niemöller, dessen Krönung der letztjährige Aufstieg in die Regionalliga war und der mit den Siegen gegen Aachen und Lotte oder Unentschieden wie gegen RWE Vereinsgeschichte geschrieben hat. Dass der Verein nun in der Corona-Zeit auf dem sportlichen Höhepunkt einen Strategiewechsel zu Gunsten von Jugend, Infrastruktur und Lokalbezug vollzieht, ist so radikal wie konsequent.”

Auch Hauptsponsor Viactiv begrüßt den Strategiewechsel des Regionalligisten: “Der TuS Haltern am See ist ein einzigartiger Verein, der mit seinem Bilbao-Ansatz jetzt auch über ein einzigartiges und zugleich nachhaltiges Konzept für die Jugend- und Senioren-Teams verfügt. Wir freuen uns sehr auf die gemeinsame Zukunft und eine noch intensivere Zusammenarbeit mit dem Club und den lokalen Partnern vor Ort.”, so Reinhard Brücker, Vorstandsvorsitzender der Viactiv Krankenkasse.

Über weitere Konsequenzen und Details der neuen Strategie wird der TuS Haltern am See in den kommenden Wochen berichten. Wer täglich noch mehr wissen möchte, kann uns auf allen sozialen Netzwerken folgen.

© Carina Wohlfarth